Gewaltfreie Kommunikation

Darum geht’s

Für mich geht es bei der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg erst in zweiter Linie um die Kommunikation.

In erster Linie geht es darum, wie wir die Welt, die Menschen und Situationen, die uns passieren, einschätzen. Anstatt Urteile über mich und andere zu fällen, geht es darum zu lernen, Situationen anhand von erfüllten oder unerfüllten Bedürfnissen einzuschätzen. Wertvolles Hilfsmittel sind dabei unsere Gefühle. Gefühle, die sich unangenehm anfühlen, zeigen uns, dass Bedürfnisse unerfüllt sind. Gefühle, die sich angenehm anfühlen, zeigen, dass Bedürfnisse erfüllt sind.

Hinter allem, was wir tun, steckt ein Bedürfnis.

Ein Beispiel: Meine Freundin kommt zu einem Treffen eine halbe Stunde später als vereinbart. Wie schätze ich die Situation ein?

Einschätzung aufgrund von Urteilen und Bewertungen

„Immer kommt sie zu spät, ich bin ihr wohl nicht wichtig genug, als dass sie sich mal bemühen würde, pünktlich zu sein!“

Einschätzung aufgrund von Gefühlen und Bedürfnissen

„Ich bin wütend und darunter liegt auch etwas Traurigkeit. Mir ist Wertschätzung wichtig, und gesehen zu werden.“

Im ersten Fall beurteilen wir, was die andere Person macht, ohne überhaupt zu wissen, was ihre Absicht und der Grund für ihr Verhalten ist. Im zweiten Fall schauen wir darauf, was bei uns los ist und was uns wichtig ist.

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass unsere Urteile unseren Gemütszustand bestimmen. Wenn ich urteile, dass sie aus Nachlässigkeit zu spät kommt, geht es mir anders, als wenn ich urteile, dass ihr wohl etwas passiert sein könnte. Und wieder ganz anders geht es mir, wenn ich das Zuspätkommen als Chance sehe, eine Arbeit fertig zu machen oder ein Buch zu lesen.

Es geht um Verbindung

In der Gewaltfreien Kommunikation geht es immer um Verbindung – nicht nur zur anderen Person, sondern auch zu mir selbst. Und weil wir schlecht Verbindung zu anderen aufnehmen können, wenn wir die zu uns selbst verloren haben, ist für mich immer der erste Schritt: Verbindung zu sich selbst herstellen. Dabei geht es dann erstmal darum, herauszufinden, was ich fühle und was ich brauche, sprich: Welche Bedürfnisse sind gerade unerfüllt? Und daraus ergeben sich Lösungen selbst von vertrackten Situationen oft wie von selbst.
 

Weiterführendes zur Gewaltfreien Kommunikation

Auf meinem Blog „Niemblog“ habe ich bereits einige Artikel rund um das Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ geschrieben.

Frieden schaffen bedeutet nicht Passivität. Es geht darum, Ungerechtigkeit zu unterbrechen, ohne Ungerechtigkeit zu spiegeln, darum, das Übel unschädlich zu machen ohne den Übeltäter zu zerstören, darum, einen dritten Weg zu finden, der weder Kampf noch Flucht ist, aber das umsichtige, mühsame Streben nach Versöhnung und Gerechtigkeit. Es geht um eine Revolution der Liebe, die groß genug ist, sowohl die Unterdrückten, als auch die Unterdrücker zu befreien.
Common Prayer: A Liturgy for Ordinary Radicals